Vor Kurzem rief mich Stefan an und fragte, ob ich eine gute Idee habe, wie man sein Bildarchiv sichern kann. Dabei geht es nicht darum, das Archiv auf mindestens zwei, besser drei Platten zu haben (ich gehe mal davon aus, dass das jeder macht, wenn nicht schaut mal bei Felix vorbei, der hat da was zu geblogt), sondern um den Punkt sich vor Brand oder Einbruch und Diebstahl zu schützen. Denn in diesen Fällen bringen einem die Sicherungen zu Hause nicht viel. Der materielle Wert einer 100 EUR Festplatte ist ersetzbar, ggf. sogar versichert, der Verlust der Bilder wiegt da vermutlich deutlich schwerer. Leider musste ich ihm antworten, dass ich da auch keine so gute Idee habe und dieses Problem selbst noch nie wirklich auf dem Plan hatte. Also Zeit mal darüber nachzudenken.

Die Anforderungen kann man eigentlich ganz schnell definieren. Wir benötigen ein komplettes Backup des Fotoarchiv, zusätzlich zu dem bereits bestehenden, lokalen Backup an einem räumlich getrennten Ort. Das ganze System muss einfach, wenn möglich sogar automatisiert funktionieren, denn wenn Backup aufwendig ist, wird es einfach nicht gemacht. Das ganze ist natürlich auch auf andere Daten übertragbar, bei uns machen aber Fotos den größten Teil aus.

Ich hab mal ein paar Leute gefragt, bin in mich gegangen und will ein paar Varianten aufzeigen, die man so oder leicht abgewandelt, oder auch als Kombination benutzen kann. Ich werde keine konkrete Empfehlung geben. Welche Variante vielleicht was für euch ist, müsst ihr selbst wissen. Ich hab mich ja selbst noch nicht mal entschieden.

Zuerst mal noch ein oder zwei Vorüberlegungen. Einige Lösungsvorschläge sind von der Menge der Daten abhängig, die es zu sichern gilt. In Zeiten von 30 bis 50 MB pro RAW Bild kommen wir da schon auf gewaltige Mengen. Einige Lösungen sind deshalb vermutlich nur in Kombination mit anderen nutzbar. Außerdem werden einige der Lösungsansätze Cloudspeicher verwenden. Weil wir ja wissen, dass Bilder in der Cloud auch gerne mal dort auftauchen, wo wir es nicht wollen, sollten diese Lösungen immer mit einer Verschlüsselung benutzt werden. Die meisten Anbieter wie Dropbox, google Drive oder Onedrive kann man mit Verschlüsselungstools benutzen, so dass sowohl Dateinamen wie auch Inhalte relativ sicher verschlüsselt sind. Für Linux/Unix/MAC/Windows ist hier encfs das Tool der Wahl. Für Windows kann ich auch boxcryptor empfehlen, das auch auf Android bzw. iOS läuft. Es ist zu encfs kompatibel (benutzt die gleichen Methoden zur Verschlüsselung). Ein Mischbetrieb ist also möglich.

NAS im Bunker

Inzwischen können viele der fertigen NAS Systeme eine Synchronisation zwischen zwei einzelnen Systemen innerhalb des Netzwerkes. Das hat den Vorteil, dass man auf ein RAID im NAS selbst verzichten kann und mit dem zweiten NAS sogar eine Redundanz der Elektronik erreicht. Mit Gigabit Verkablung geht auch das Synchronisieren recht schnell. Jetzt könnte man eines der beiden NAS Systeme irgendwo im Haus so anbringen, dass es schwer aufzufinden oder sogar ohne Einsatz von Technik nicht entfernt werden kann. Mir fallen da Orte wie Heizungsraum, Keller oder Spitzboden ein, zusätzlich vielleicht in der Wand verankert. Je nach Ort bietet das einen sehr guten Schutz vor Dieben, nicht, bzw. nur sehr eingeschränkt vor Brand. Es ist auch nicht unbedingt auf kleinere Wohnungen übertragbar.

der Nachbarspeicher

Das oben erwähnte NAS kann ja auch beim Nachbarn stehen. Je nach baulicher Gegebenheit per Kabel angeschlossen oder über WLAN, ggf. auch über eine Richtfunkstrecke. Den Schutz vor Diebstahl erhöhen wir damit schon, den Schutz vor Brand muss man im Einzelfall klären. Bei einem Mehrfamilienhaus ist hier der Zugewinn nicht so groß. Es gibt Statistiken, wie lange es dauert, bis ein Brand gelöscht ist. Jetzt könntet ihr natürlich ermitteln, hinter wie vielen Schichten brandfestem Materials ihr die Platte „einmauern“ müsst, um diese Zeit zu überstehen. Ich würde mich da aber nicht drauf verlassen wollen.

Wanderplatte

Die wohl einfachste Lösung, man nimmt eine der Backup Festplatten einfach mit, im Rucksack, im Auto, in der Handtasche. Inzwischen gibt es 2TB als 2,5″ Platte, da passen schon eine Menge Fotos drauf. Größere Platten sind nur eine Frage der Zeit. Der Schutz bei Brand und Einbruch ist, zumindest wenn man nicht zu Hause ist, sehr hoch, in der restlichen Zeit etwas eingeschränkt. Um das zu verbessern könnte man zwei Platten nutzen und eine davon, im Wechsel, an einem anderen Ort lagern (auf der Arbeit im Schrank…). Wenn der Speicher nicht reicht, könnte man diese Variante mit der Auslagerung kombinieren.

Auslagerung

Prinzipiell eine gute und einfache Lösung. Man schreibt sein Archiv auf eine weitere Platte und lagert diese an einem anderen Ort, bei Verwandten, Freunden oder beim Arbeitgeber aus (je nach Vertrauensstatus kann man die Datenträger auch verschlüsseln, siehe oben). Da sich alte Dateien im Fotoarchiv nur sehr selten ändern, ist das praktikabel. Der Schutz gegen Verlust der Bilder bei Brand oder Diebstahl ist sehr hoch. Das eigentliche Problem ist aber die Aktualität, denn wer will schon jeden Tage eine Platte von Tante Erna holen und nach dem Kopieren wieder zurück bringen? In Kombination mit der Wanderplatte wird dieses Problem gemindert. Alternativ kann man aber auch mit der Cloud kombinieren.

Wolkenspeicher

Ja, ich weiß, Clous ist schlecht und unsicher und laaaaaangsaaaaam. Richtig, aber: Mit einer Verschlüsselung der Daten kann man schon eine ziemlich hohe Sicherheit erreichen (siehe oben). Aber solche Verschlüsselungen kann man doch knacken? Mit einem großen Aufwand vielleicht. Die Frage ist eher, wer ein Interesse daran hat und ob sich für denjenigen der Aufwand lohnt. Das müsst ihr selbst entscheiden. Eine bessere räumliche Trennung bzw. einen besseren Schutz vor Brand wird man kaum bekommen, da die Rechenzentren hier ganz sicher einen extrem hohen Standard erfüllen. Vor den Mist, den der Anbieter macht, ist man leider nicht geschützt. Ein weiterer, großer Vorteil ist, dass man die Synchronisation unmittelbar starten bzw. sogar automatisieren kann, z.B. automatisch in der Nacht direkt vom NAS aus. Für ca. 10 EUR/Monat bekommt man aktuell 1TB Platz (Microsoft hat angekündigt, die 1TB Grenze komplett zu kippen, also so viel Speicher zur Verfügung zu stellen, wie benötigt wird). Reicht das nicht für das ganze Archiv, kann man mit der Auslagerung evt. kombinieren. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sogar von Laptop aus Zugriff auf sein Archiv hat, falls man unterwegs mal ein RAW benötigt. Der gewaltigste Nachteil ist ohne Frage, zumindest bei mir, die Uploadgeschwindigkeit des Internetanschlusses. Beim 6000 DSL (572kB Upload)  braucht man für 1GB schon mal gut 4h. Zumindest das initiale Kopieren wird da sehr lange dauern. Wenn man regelmäßig mit 8GB Bildern nach Hause kommt, bringt das nichts. Besitzer von VDSL sollten aber darüber nachdenken.

Wolkenpartnerschaft

Vertraut man den Anbietern nicht. kann man auch ein NAS bei einem Bekannten oder Verwandten hinstellen und (z.B. in der Nacht automatisch) dieses mit den eigenen NAS synchronisieren. Über Kosten für Strom muss man sich da einig werden, oder man betreibt selbst das Backup NAS des anderen. Eine sehr coole Lösung, ohne laufende Kosten. Leider bricht aber auch dieses Konzept wieder mit dem Upload des Zugangs. Aber zumindest das initiale Backup könnte man mit einen Grillabend verbinden. Allerdings muss man sich über eine VPN Verbindung zwischen den Systemen Gedanken machen.

Die eigene Cloud

Sicher kann man auch den eigenen Webserver oder Webaccount als Backup missbrauchen. Die Vorteile sind die gleichen wie bei einem Cloudanbieter, jedoch wird man den Preis kaum halten können. Ich hab jetzt keinen Anbieter auf Lager, der 1TB Speicher auf einem Webaccount für einen angemessenen Preis anbietet.

 

Da diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, könnt ihr eigene Vorschläge oder Anmerkungen hier als Kommentar hinterlassen oder mir ne Mail schreiben.

 

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