Canon 550EX, alt aber gut

Canon 550EX, alt aber gut

Wer sich mit der Fotografie beschäftigt, wird irgendwann zwangsläufig auf das Thema Blitzen stoßen. Ich nutze dieses Thema für eine kleine Serie von Artikeln. Im ersten Beitrag wird es etwas technisch.

Als ich mir meine erste Spiegelreflexkamera (analog) gekauft habe, war da so ein kleiner Blitz eingebaut, mit einer Leitzahl von 12 (falls das jemandem was sagt). Also eigentlich kaum nutzbar und schon gar nicht für richtiges Blitzen. Es musste also etwas anderes her und das war (auch wenn ich glaube mich zu erinnern, vorher noch einen anderen Blitz gehabt zu haben) ein Canon 550EX. Der gute verrichtet auch heute noch auf meiner digitalen Kamera seine Dienste. Und was hab ich damals damit alles (tot-)geblitzt. Irgendwann stellte ich dann fest, dass man in vielen Situationen auch ganz ohne Blitz auskommt und so wurde er immer weniger benutzt. Dazu kommt, dass der schlechteste Platz für einen Blitz oben auf der Kamera ist (hab ich mal in irgend einem Video gehört). Technik zum entfesselten Blitzen hatte ich aber nicht.

Inzwischen liebe ich natürliches Licht und versuche, soweit wie möglich damit auszukommen. Es gibt aber Situationen, wo das nicht geht, dort setze ich natürlich nach wie vor einen Blitz ein. Allerdings nicht mehr als hämmernde Lichtquelle frontal, sondern „richtig“. Dazu musste er erst mal von der Kamera weg, leichter gesagt als getan. Es gibt hier zwei Varianten, eine davon funktioniert per Kabel, die andere per Funk. So ein langes Spiralkabel habe ich an der Studioblitzanlage und wenn man damit schon mal einen Blitzkopf geerdet hat, weil man irgendwo am Kabel hängen geblieben ist, will man das nicht. Also Funk. Nicht zuletzt auf Grund des doch recht günstigen Preises habe ich dann ein Set von Yongnuo mit zwei YN622C und einem YN622C-TX geordert.

Der böse Erwachen kam dann später, als ich lesen musste, dass der 550EX nicht unterstützt wird (jedenfalls steht er nicht in der Liste der unterstützten Modelle). Eine Internetsuche zu dem Thema bringt 10 Meinungen von 8 Leuten, also nichts Konkretes. Also hieß es einen Selbstversuch zu starten:

Fangen wir bei der Theorie an. TTL (oder E-TTL bei Canon) bedeutet, dass die Messung der notwendigen Lichtmenge von der Kamera durch die Linse erfolgt. Dazu sendet der Blitz vor dem eigentlichen Blitz einen Messblitz aus. In der Regel ist dieser Messblitz deutlich schwächer und so knapp vor dem eigentlichen Blitz, dass man ihn gar nicht wahr nimmt. Das System ist schon recht alt und klappt auch mit dem 550EX, jedenfalls auf der Kamera. Die Funkauslöser von Yongnuo sollen nun diese Technik auch Kabellos zum Blitz bringen können, aber eben wohl nicht mit dem 550EX? Doch. Dazu jetzt etwas mehr Details:

Yongnuo YN622C und der Controller YN622C-TX

Yongnuo YN622C und der Controller YN622C-TX

Die YN622C Variante
Man bekommt im Internet ein Set aus zwei YN622C, ohne die
TX Variante. Im Prinzip genügt das. ETTL funktioniert damit perfekt, die Belichtungseinstellung klappt prima. Der 550EX wird  über die Remoteverbindung eingestellt. Auch der Reflektorzoom wird entsprechend der Einstellung des Objektives bewegt. Letzteres leider immer, also auch dann, wenn man in der Blitzeinstellung der Kamera auf einen manuellen Wert setzt. Nun ist es beim entfesselten Blitzen so, dass man das nicht immer möchte.  Hier hilft es am Blitz selbst den Zoom auf einen manuellen Wert umzustellen. Das ist eine der Einschränkungen des 550EX.

Damit sind wir aber auch schon am Ende, denn die Funktionen „Manuell“ sowie „Multi“ (Strobo) werden nicht übertragen und führen nur zu einem sehr schwachen Blitz. Man kann natürlich die Leistung am Blitz selbst justieren, ist aber sehr unbequem.

Die YN622C-TX Variante

550EX auf einem YN622C

550EX auf einem YN622C

Wer die Einschränkungen der ersten Variante zumindest zum Teil umgehen will, sollte sich zusätzlich ein YN622C-TX besorgen, der  übrigens relativ günstig ist, im Verhältnis zu dem YN622C Set. Dieser sog. ETTL Controller übernimmt die Einstellung der entfernten Blitzgeräte und kann zusätzlich mehrere Gruppen von YN622C Empfängern verwalten und unterschiedlich bedienen. Man bekommt damit eine sehr große Flexibilität wenn man mit zwei oder noch mehr Blitzen arbeiten möchte.

Aber zurück zu meinem 550EX. Was gewinne ich jetzt genau mit diesem Controller? Die manuelle Einstellung per remote. Diese ist über den Controller nämlich möglich. Damit das funktioniert, ist aber im Controller selbst die Individualfunktion 5 (ECO) auf On zu stellen (für den 550EX, oder andere alte EX Blitze vermutlich). Wichtig: am 550EX muss ETTL eingestellt bleiben. Auch auf dem Display des Blitzes ist nicht zu sehen, dass man auf manuell eingestellt hat.

Der Controller hat noch einen weiteren Vorteil. denn man muss nicht mehr das Menü in der Kamera bemühen, sondern kann den Modus und die Leistung direkt am Controller einstellen. Das Kameramenü funktioniert natürlich trotzdem.

Multi (also Strobo) klappt damit trotzdem nicht und auch der Zoom zoomt fleißig mit, egal was in der Kamera oder am Controller eingestellt ist. Letzteres sollte sich theoretisch per Firmware abstellen lassen.

Fazit
Sieht man von der Tatsache ab, dass der Multimode nicht klappt (den ich noch nie in der Praxis eingesetzt habe) und dass der Zoom sich um keine Einstellung kümmert (was man am Blitz abstellen kann), ist man mit den YN622C(-TX) bei einem guten und preiswerten System. Einen Reichweitentest habe ich noch nicht gemacht, aber bis 15m hab ich es schon eingesetzt. Laut Hersteller sind wohl bis 100m möglich. Das System arbeitet relativ zuverlässig, hin und wieder hatte ich mal ein überbelichtetes Bild dabei, wo wohl die Übertragung ins Beinkleid gegangen ist. Ich kann die „Aussetzer“ aber noch an einer Hand abzählen.

Außerdem haben die YN622C Transceiver eine PC-Anschluss, mit dem man sie auch als Auslöser für Studioblitze nutzen kann. Das dafür passende Kabel (ebenfalls von Yongnuo) hat die Bezeichnung LS-PC635. Klar kann man damit keine Leistungseinstellung vornehmen, aber allein die Tatsache, dass der Kabelsalat weg ist lohnt eine Anschaffung.

 

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