Ich hab noch eine Exa 1b und eine Praktika L2, beide mit einem 50mm/2,8 Tessar Objektiv von Carl Zeiss Jena. Leider haben diese Objektive das Problem, dass die Lamellen der Blende verharzen, wenn sie eine Zeit lang nicht benutzt werden. Eine Fachwerkstatt kann das wieder reparieren, allerdings kostet das (meist nicht grade wenig) Geld. Die Objektive sind aber sehr einfach gebaut, so dass man diese Reparatur auch selbst vornehmen kann. Hier jetzt die ausführliche Anleitung dazu. Wir verzichten auf einen Reinraum, da dieses Objektiv sicher die paar Staubkörnchen verkraftet. Man sollte es dennoch nicht in einer zu staubigen Umgebung machen.

Um diese Reinigung vorzunehmen, sollte man eine passable Feinmotorik besitzen, denn es gibt dort viele kleine Schrauben und Federn. Wenn ihr euer Objektiv nach dieser Anleitung repariert, so macht ihr das auf eigene Gefahr. Für Schäden, die durch diese Anleitung entstanden sein sollten, kann der Autor nicht haftbar bemacht werden.

Um das Erklärte besser zu verstehen, hab ich Bilder an diesen Beitrag angehängt, die das Wichtigste zeigen. Ein Klick auf eines der Bilder zeigt euch eine Vergrößerung, auf der auch Details sichtbar werden sollten. Für die Reparatur braucht ihr:

  • einen Schraubendreher Schlitz ca. 0,5 x 3mm
  • einen Schraubendreher Schlitz ca. 0,4 x 2mm
  • eine Pinzette
  • Wattestäbchen
  • Reinigungsflüssigkeit (Ethanol, Isopropanol, Methanol (Vorsicht, giftig))

Legt das Objektiv mit der Frontlinse nach unten vor euch hin, am besten mit dem Abblendstift (1) nach oben. Jetzt löst die drei großen Schrauben (2) auf der Rückseite. Anschließend könnt ihr den hinteren Ring (3) nach oben abziehen. Direkt unter diesem Ring befindet sich ein Kunststoffring für die Blendensperre (4). Meist wird dieser dabei gleich mit abgezogen. Vorsicht, auf der rechten Seite befindet sich eine Feder mit einer Kugel, die sicher gleich nach rechts heraus schießen wird, passt auf wo die Kugel landet. Zieht anschließend die Feder auch raus, da sie sonst stört.

Als nächstes wird der Blendeneinstellring (7) nach oben gezogen. Auch hinter diesem befindet sich eine Feder mit einer Kugel. Sie ist in den Ring eingelassen, dort wo die Blendenzahlen stehen. Passt auf, dass die Kugel nicht runter fällt, sie ist wirklich sehr klein. Die Feder könnt ihr im Ring lassen, legt ihn aber so ab, dass sie nicht raus fallen kann. Als nächstes müsst ihr die Führungschiene (5) abschrauben und den Hebel für die Blende (6). Letzterer ist mit einer Feder versehen, also etwas vorsichtig, damit er euch nicht um die Ohren fliegt. Merkt euch, wie der Hebel angesetzt ist. Ihr könnt auch hier auf den Fotos nachsehen, wenn ihr es nicht mehr so genau wisst. Wenn diese beiden Teile abgeschraubt sind, kann der innere Kern der Optik (8) nach links aus dem äußeren Ring herausgedreht werden. Er dreht sich dabei nach unten weg. Passt auf, dass er euch nicht aus der Hand fällt.

Jetzt braucht ihr etwas Kraft, denn der vordere Ring (9) muss vom Rest (8) abgeschraubt werden. Greif mit der einen Hand um den vorderen Ring (9) und mit der anderen (am besten ein Tuch darum wickeln, denn es befindet sich schmieriges Fett daran) an das Gewinde. Der vordere Ring wird nach links abgeschraubt. Die nun von vorn sichtbare Linse mit dem Ring der zwei kleine Löcher (10) hat, lässt sich nach links herausschrauben. Meist ist diese Linse nicht so fest. Ihr könnt einen kleinen Elektronikschraubendreher benutzen und in einem der Löcher ansetzen, oder eine Sicherungsringzange, wenn ihr sowas besitzt. Vorsicht, man kann leicht abrutschen und die Linse zerstören, dann war es das mit der Optik.

Als nächstes müsst ihr den Blendenanschlag von der Seite und die Führung des Metallrings von oben abschrauben (12). Der erste Metallring (13) kann herausgenommen werden und gibt den Weg zu den Blenden frei. Jetzt braucht ihr eine Pinzette, mit der ihr den Führungsring der Lamellen (14) nach oben entnehmt. Anschließend liegen die Blendenlamellen (15) direkt vor euch. Entnehmt die Lamellen vorsichtig mit einer Pinzette. Sie sind nicht so empfindlich, wie sie vielleicht aussehen, ihr dürft sie aber auf keinen Fall biegen.

Jetzt beginnt die Reinigung. Zuerst müsst ihr den Führungsring, der sich noch in der Optik befindet reinigen. Das kann mit einem Wattestäbchen und etwas Reinigungmittel passieren. Der Ring kann herausgeschraubt werden, ich lasse ihn aber in der Optik. Passt aber auf, dass ihr mit dem Wattestäbchen nicht auf die Linse kommt, da ihr sonst den schmierigen Dreck auf der Linse verteilt. Da wir aber schon mal dabei sind, können wir die Linse gleich mit reinigen, mit einem frischen Wattestäbchen. Jetzt kommen die Lamellen an die Reihe, mit einem Wattestäbchen und Reinigungsmittel reinigen und kurz zum trocknen hinlegen. Ihr könnt auch ein feines Tuch nehmen und mit dem Finger reinigen, aber bitte vorsichtig dabei. Ich selbst lege die Lamellen auf ein fusselfreies Tuch, betropfe sie mit einem Tropfen Isopropanol, halte sie am Gelenk fest und wische sie mit einem anderen Tuch ab. Das ganze von beiden Seiten. Die Lamellen dann kurz trocknen lassen. Als letztes wird der Ring (14) gereinigt, der von oben auf die Lamellen kommt, auch mit einem Tuch und etwas Reiniger.

So, bauen wir das ganze wieder zusammen. Dabei gehen wir genau entgegengesetzt vor. Zuerst werden die Lamellen (15) wieder in die Führung gelegt, mit einer Pinzette. Die Seite, in der der Gelenkstift in der Mitte ist, kommt nach unten. Legt die erste Lamelle rein und schiebt sie ganz an den äußeren Rand. Die nächste Lamelle wird dann rechts von der ersten gelegt, mit der Rundung auf die Spitze der vorherigen Lamelle. Dies wird mit den nächsten drei Lamellen genau so gemacht. Bei der letzten Lamelle muss die Spitze unter die erste geschoben werden, dass ist etwas fummelig. Anschließend verschiebt die Lamellen so, dass sie schön gleichmäßig liegen.

Als nächstes wird der obere Führungsring (14) wieder eingelegt. Dieser Ring hat eine Aussparung, die zum kleineren der beiden Löcher in der äußeren Metallhülle zeigen muss. Die oberen Gelenkstifte der Lamellen müssen in diesen Ring fassen, mit etwas Wackeln und einer Pinzette bekommt man das recht schnell hin. Notfalls nehmt alle Lamellen noch mal raus und beginnt von vorn. Liegt der Ring, kann von der Seite der Anschlag wieder angeschraubt werden. Dabei die Optik nicht anheben, da sonnst die Lamellen wieder durcheinander purzeln könnten. Ihr könnt jetzt vorsichtig an dem Ring drehen und zu testen, ob die Blende arbeitet. Wenn die Lamellen falsch zusammen gelegt wurden, lässt sich die Blende nicht schließen. Bitte wendet keine Gewalt an, da die Lamellen dabei Schaden nehmen könnten. Jetzt wird der obere Ring (13) wieder eingesetzt und die Führung (12) angeschraubt. Immer noch etwas vorsichtig, denn die Lamellen können immer noch aus der Führung springen. Wenn ihr vorher den Blendenring schon bewegt habt, achtet darauf, dass die Blende komplett geöffnet ist und die Anschlagschraube sich auf der richtigen Seite von der Führung befindet. Als nächstes wird die Frontlinse wieder eingeschraubt. Es ist etwas schwierig, diese gerade anzusetzen, aber das geht schon. Wenn ihr die Linse angeschraubt habt (Vorsicht, nicht abrutschen) können die Lamellen nicht mehr raus. Wenn ihr möchtet, könnt ihr die Linse bei der Gelegenheit noch gleich reinigen. Probiert anschließend noch einmal aus, ob die Blende sich bewegen lässt, indem ihr an der Anschlagschraube den Ring bewegt.

Als nächstes wird der Frontring (9) wieder angeschraubt und die innere Optik in den äußeren Ring geschraubt, von vorn und nach links. Dabei müsst ihr etwas probieren, bis sie richtig sitzt. Am besten ihr stellt den Fokusring zuerst auf Unendlich und dreht dann die innere Optik hinein. Die Schraube für den Anschlag (5) muss dann kurz hinter dem Gewinde für den Anschlag (5) stehen bleiben. Ist das nicht der Fall, dreht die Optik wieder heraus und setzt sie um 180° weiter vor an. Dreht die Optik ein Stück zurück und schraubt die Führung (5) fest. Jetzt wird die Blendenrückzugsfeder (6) wieder angeschraubt. Schließt dazu die Blende von Hand komplett. Die Feder wird dann gespannt und die eine Seite (ohne Schraublöcher) in die Öffnung an der Optik geführt. Jetzt die Feder anschrauben. Dabei die Feder nicht zurück schnappen lassen. Die Löcher in der Feder sind etwas größer als die Schrauben, so dass die Feder noch justiert werden kann. Sie muss weit genug nach ober gedrückt werden, damit sie den Blendenring leicht dreht, aber nicht so weit, dass sie schleift. Wenn die Blende anschließend nicht leicht arbeitet, muss die Feder nachjustiert werden. Wenn ihr jetzt auf die Feder drückt, muss die Blende sich öffnen und beim loslassen der Feder wieder schließen.

Jetzt kommt der Blendeneinstellring (4) wieder drauf. Die Feder sollte noch im Ring stecken, die Kugel müsst ihr jetzt auf der Feder befestigen. Dazu könnt ihr ein klein wenig Fett an der Feder anbringen und die Kugel damit „ankleben“. Dann den Ring vorsichtig aufstecken und darauf achten, dass die dünne Führung in die Aussparung am Blendenbegrenzungsring kommt. Wenn ihr die Kugel nicht fest bekommt, dann könnt ihr auch die Optik von oben in den Ring stecken. Es kann sein, dass die Feder den Ring wieder etwas nach oben drückt. Jetzt kommt der Kunststoffring (4) für die Blendensperre drauf. Dazu zuerst die Feder an der Seite wieder einstecken. Zuletzt wird den hintere Abdeckring (3) aufgesetzt. Beim Aufsetzen solltet ihr den Abblendstift (1) mit einem Finger hinein drücken. Den Ring mit den drei Schrauben (2) festschrauben und schon seit ihr fertig.

Und war es schlimm? Bei ersten mal hab ich dafür 3 Stunden gebraucht, jetzt geht’s schon in weniger als einer. Anregungen, Hinweise und Kritik bitte als Kommentar zu diesem Beitrag.

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